LTE Cat 4 vs. Cat 6 in Industrie-Routern: Was ist der Unterschied?
Symbolbild, KI-generiert (gpt-image-1)
Auf jedem Datenblatt eines industriellen Mobilfunkrouters steht eine LTE-Kategorie, meist Cat 4 oder Cat 6. Sie beschreibt die Leistungsklasse des eingebauten Modems nach 3GPP – und sie ist der Punkt, an dem in der Beschaffung am häufigsten Geld ausgegeben wird, das die Anwendung nicht abruft.
Das Prinzip: Motorisierung, nicht Straße
Die LTE-Kategorie verhält sich zur Mobilfunkverbindung wie die Motorisierung zum Fahrzeug. Sie legt fest, was maximal möglich wäre. Was tatsächlich ankommt, entscheidet die Straße – also Netzausbau, Signalstärke und Auslastung der Funkzelle. Ein stärkerer Motor bringt auf einem Feldweg nichts.
| Kategorie | Download max. | Upload max. | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| LTE Cat 4 | 150 Mbit/s | 50 Mbit/s | 2×2 MIMO |
| LTE Cat 6 | 300 Mbit/s | 50 Mbit/s | 2×2 MIMO plus Carrier Aggregation |
Der technische Unterschied ist Carrier Aggregation: Ein Cat-6-Modem bündelt zwei Frequenzbänder gleichzeitig und verdoppelt so rechnerisch die Downloadrate. Der Upload bleibt bei beiden Kategorien gleich – ein Punkt, der regelmäßig übersehen wird, obwohl in der Industrie meist Daten nach oben gehen, nicht nach unten.
Carrier Aggregation setzt voraus, dass der Netzbetreiber sie in der jeweiligen Funkzelle betreibt. Auf einem Betriebsgelände am Ortsrand ist das keineswegs sicher.
Die Kategorie ist selten der Engpass
Die verbreitete Annahme lautet: mehr Kategorie, mehr Durchsatz. In der Praxis sind die realen Werte deutlich enger beieinander, als die Datenblätter nahelegen – Cat 4 liefert in gut versorgten Gebieten 20 bis 80 Mbit/s, Cat 6 zwischen 40 und 150 Mbit/s, mit der oberen Hälfte fast ausschließlich in Ballungsräumen.
In Produktionshallen, auf Betriebsgeländen und im ländlichen Raum begrenzt fast immer etwas anderes: die Signalstärke. Eine Außenantenne mit fünf Metern Kabel bringt an einem schlecht versorgten Standort mehr als der Wechsel von Cat 4 auf Cat 6. Wer die Antenne im Schaltschrank lässt, hat die Kategorie ohnehin nicht ausgereizt – Metallgehäuse dämpfen erheblich.
Wie viel Bandbreite braucht die Anwendung?
Der Bedarf lässt sich überschlagen, statt ihn zu schätzen:
- Fernwartung über VPN, Terminalzugriff: unter 1 Mbit/s
- Maschinendaten über MQTT oder OPC UA, zyklisch: wenige kbit/s bis wenige hundert kbit/s
- Ein Kamerastream in 1080p, H.264: rund 4 Mbit/s
- Vier Kamerastreams plus Datenkanal: etwa 18 Mbit/s
Selbst der letzte Fall liegt im Bereich dessen, was ein Cat-4-Modem an einem ordentlich versorgten Standort dauerhaft liefert.
Faustregel: Unter 20 Mbit/s Dauerbedarf entscheidet die Antennenposition mehr als die Modemkategorie. Darüber lohnt Cat 6 – aber nur, wenn am Standort Carrier Aggregation verfügbar ist.
Zu prüfen ist außerdem die Richtung. Fast alle Industrieanwendungen laden hoch: Messwerte, Bilder, Protokolle. Beim Upload sind Cat 4 und Cat 6 mit 50 Mbit/s identisch spezifiziert. Wer wegen eines Bulk-Uploads über Cat 6 nachdenkt, kauft an seinem Problem vorbei.
Wann Cat 6 den Mehrpreis trägt
Es bleiben Fälle, in denen die höhere Kategorie richtig ist: kontinuierliche Videoübertragung mehrerer Kameras, Bulk-Downloads großer Firmware- oder Modellstände, Standorte in gut ausgebauten Ballungsräumen – und Dual-SIM-Aufbauten, bei denen beide Verbindungen gleichzeitig mit voller Bandbreite laufen sollen.
Ebenso ein Argument: der Einsatzhorizont. Läuft die Anlage zehn Jahre und wächst die Datenlast absehbar, ist die Reserve beim Gerätepreis günstiger als ein späterer Tausch samt erneuter Inbetriebnahme.
Modelle im Überblick
| Modell | Kategorie | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| RUT241 | Cat 4 | Kompakter Fernzugang, IoT-Gateway |
| RUT950 | Cat 4 | Vielseitiger Industrie-Router mit WLAN |
| RUT956 | Cat 6 | Gateway mit seriellen Schnittstellen und I/O |
| RUTX11 | Cat 6 | Höherer Durchsatz, WiFi 5, Dual-SIM |
Die Auswahl innerhalb der Serie behandelt Teltonika RUT-Serie: Welches Modell für welchen Einsatz?. Für redundante Anbindungen siehe außerdem die Dual-SIM-Betrachtung im selben Cluster.
5G als nächste Stufe
Für Projekte mit langem Horizont lohnt der Blick auf 5G. In der Non-Standalone-Ausbaustufe sind real 200 bis 500 Mbit/s erreichbar, bei spürbar geringerer Latenz. Die Geräte kosten mehr als Cat-6-Router, und dieselbe Einschränkung gilt weiterhin: Was die Funkzelle am Standort nicht hergibt, holt kein Modem heraus.
Ein Argument für lokale Vorverarbeitung bleibt davon unberührt: Wer Daten am Entstehungsort filtert und verdichtet, kommt auch ohne 5G aus. Wie weit das trägt, behandelt Edge Computer.
Welche Kategorie passt?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Fernwartung, VPN, Monitoring | Cat 4 |
| Standort mit schwachem Empfang | Cat 4 plus Außenantenne |
| Backup-Verbindung neben Festnetz | Cat 4 |
| Mehrere Videostreams, Ballungsraum | Cat 6 |
| Dual-SIM mit voller Bandbreite auf beiden Wegen | Cat 6 |
| Bulk-Upload großer Datenmengen | Kategorie prüfen – Upload ist bei beiden gleich |
| Neue Anlage, Laufzeit über zehn Jahre | Cat 6 oder 5G als Reserve |
Passende Industrie-Router: Teltonika Networks und Industrie-Router.
Weiterführende Artikel
- Teltonika RUT-Serie: Welches Modell für welchen Einsatz?
- Teltonika RUT956 als Industrie-Gateway konfigurieren
- Teltonika RUT241 in Betrieb nehmen
- Edge Computer: Definition, Aufbau und industrielle Einsatzgebiete
Zurück zum Wiki-Inhaltsverzeichnis.